KI und Gesellschaft

Erster Teil, Kapitel III, § 9

§ 9. Ständisch-patrimoniale KI-Herrschaft

Runde 1: kommentierte Arbeitsgliederung, zweiter Kapitel-III-Batch

Einordnung im Werk

Kapitel III entwickelt die Herrschaftssoziologie algorithmischer Ordnungen. Nach der legal-rationalen Verwaltung führt dieser Block zur traditionalen Herrschaft: zu Routinen, alten Eliten, privaten Verfügungsmächten, Statusordnungen und wirtschaftlichen Fortsetzungen sozialer Vergangenheit im Medium neuer Systeme.

Gliederungspunkte

  • Privilegierte Zugänge
  • Geschlossene Expert:innenzirkel
  • Zertifikatsstände
  • Modellnutzung nach Status
  • Organisation von Abhängigkeit durch Lizenz

Kommentierte Ausarbeitung

§ 9 bestimmt ständisch-patrimoniale KI-Herrschaft als Ordnung privilegierter Zugänge. Nicht alle Akteur:innen begegnen denselben Modellen, denselben Daten, derselben Rechenleistung oder denselben Erklärungsrechten. Zugang wird vielmehr nach Status, Vertrag, Zertifikat, Organisationszugehörigkeit, Kapitalausstattung oder institutionellem Vertrauen gestuft.

Geschlossene Expert:innenzirkel bilden in dieser Ordnung eine eigene Stellung. Sie verwalten Modellwissen, Auditfähigkeit, Sicherheitsfreigaben, Standardisierung und Zulassung. Daraus können Zertifikatsstände entstehen: Gruppen, die nicht nur mehr wissen, sondern aufgrund anerkannter Prüf-, Lizenz- oder Akkreditierungsformen überhaupt erst berechtigt sind, bestimmte KI-Systeme einzusetzen, zu bewerten oder zu kontrollieren.

Der patrimoniale Zug dieser Herrschaft liegt in der Lizenzabhängigkeit. Wer Modelle nutzen, erweitern, prüfen oder in Arbeitsprozesse einbauen will, bleibt an Nutzungsrechte, Schnittstellen, Preismodelle und Widerrufsmöglichkeiten gebunden. Ständische Ungleichheit und private Verfügung verbinden sich dadurch zu einer Ordnung, in der Teilnahme formal offen erscheinen kann, praktisch aber nach Rang, Zugang und Abhängigkeit organisiert ist.

Anschluss im Werk