KI und Gesellschaft

Erster Teil, Kapitel II, § 18

§ 18. Soziale Arten der Leistungsverteilung

Runde 1: kommentierte Arbeitsgliederung, dritter Kapitel-II-Batch

Einordnung im Werk

Kapitel II überführt die in Kapitel I gewonnenen Grundbegriffe in eine Wirtschaftssoziologie der KI. Dieser dritte Aufbaugang bindet Modellrechnung, Markt- und Planungsformen an Leistungsgliederung, Arbeitsteilung und Aneignung: Er fragt also, unter welchen Bedingungen algorithmische Wirtschaft rechenhaft wird, wie Leistungen verteilt werden und wer ihre Verwertung sozial beanspruchen kann.

Gliederungspunkte

  • Angestellte
  • Freie
  • Plattformarbeiter:innen
  • Datenarbeiter:innen
  • Promptarbeiter:innen
  • Expert:innenaufsicht
  • automatisierte Restarbeit

Kommentierte Ausarbeitung

Soziale Leistungsverteilung fragt nicht nur, welche Schritte technisch möglich sind, sondern welche Gruppen sie tragen. Angestellte arbeiten in Organisationen, in denen KI als Werkzeug, Kontrollmittel, Produktivitätsversprechen oder Rationalisierungsdruck erscheint. Freie bearbeiten Aufgaben projektförmig, oft abhängig von Plattformzugang, Reputation und schwankender Nachfrage. Plattformarbeiter:innen sind über Ratings, Matching, algorithmische Zuteilung und Sanktionen in eine Ordnung eingebunden, die unternehmerische Selbständigkeit verspricht und zugleich Abhängigkeit erzeugt. Datenarbeiter:innen, Promptarbeiter:innen und Evaluator:innen tragen häufig die Vorarbeit, durch die Modelle überhaupt brauchbar werden.

Expert:innenaufsicht bildet eine besondere Form: Ärzt:innen, Jurist:innen, Lehrer:innen, Ingenieur:innen, Redakteur:innen oder Verwaltungsfachleute sollen KI-Ergebnisse prüfen, haften aber nicht immer für Bedingungen, die sie selbst nicht geschaffen haben. Automatisierte Restarbeit entsteht dort, wo Menschen nur noch Ausnahmen bearbeiten, Fehler auffangen oder Entscheidungen legitimieren sollen, deren Voraussetzungen maschinell und organisatorisch vorgeformt sind. § 18 macht die soziale Schichtung algorithmischer Arbeitsteilung sichtbar. Er führt damit von der technischen Gliederung zu Fragen der Aneignung: Wer leistet, wer kontrolliert, wer trägt Risiko und wer erhält Ertrag?

Anschluss im Werk