Erster Teil, Kapitel II, § 33
§ 33. Sperrdaten
Runde 1: kommentierte Arbeitsgliederung, sechster Kapitel-II-Batch
Einordnung im Werk
Kapitel II überführt die Grundbegriffe algorithmisch vermittelten Handelns in eine Wirtschaftssoziologie der KI. Dieser sechste Aufbaugang führt von der formal rationalen Modellrechnung in die Datenordnung selbst: kapitalistische KI-Orientierung, Datenverfassung, Sperrdaten, synthetische Daten, Datengeltung und Datenpolitik werden als zusammenhängende Voraussetzungen algorithmischen Wirtschaftens sichtbar.
Gliederungspunkte
- Betriebsgeheimnisse und proprietäre Datensätze
- personenbezogene und sensible Daten
- Sicherheits-, Militär- und Infrastrukturdaten
- kollektive Wissensbestände und indigene Datenhoheit
- Sperrung als Schutz, Machtmittel und Marktbedingung
- Folgen für Modelltraining und Kontrolle
Kommentierte Ausarbeitung
§ 33 bestimmt Sperrdaten als Datenbestände, deren Verfügbarkeit sozial, rechtlich, ökonomisch oder politisch begrenzt ist. Sperrung kann Schutz bedeuten, etwa bei personenbezogenen, sensiblen, sicherheitsrelevanten oder gemeinschaftlich verletzlichen Daten. Sie kann aber ebenso Machtmittel sein, wenn proprietäre Datensätze, Geschäftsgeheimnisse, Plattformprotokolle oder Evaluationsdaten der Kontrolle entzogen werden.
Für KI-Wirtschaft ist Sperrung ambivalent. Ohne Sperrung würden Persönlichkeitsrechte, Betriebsgeheimnisse, Sicherheitsinteressen, journalistische Quellen, medizinische Vertraulichkeit oder kollektive Wissensrechte verletzt. Zu viel Sperrung stabilisiert jedoch Informationsasymmetrien: Modelle werden trainiert, bewertet und verkauft, während Außenstehende nicht wissen, welche Daten sie tragen, welche Fehler sie reproduzieren und welche Gruppen in ihnen fehlen.
Der Abschnitt hält deshalb Schutz und Herrschaft zugleich im Blick. Sperrdaten sind nicht einfach Hindernisse rationaler Modellrechnung, sondern Bedingungen ihrer sozialen Begrenzung. Sie leiten zu § 34 über, weil dort die Frage entsteht, wie Lücken, Sperrungen und Knappheiten durch notale, simulierte oder synthetische Daten ersetzt, ergänzt oder verschleiert werden.