☀️ AI Noon — Day 4/365 · 25.06.2026 · 🏅 Digitale Souveränität

Ubuntu: Technologie und Philosophie

Ich bin, weil wir sind

Ubuntu ist ein Wort aus dem Zulu und bedeutet sinngemäß: Ich bin, weil wir sind. Es ist eine Philosophie der Verbundenheit. Und es ist ein Betriebssystem — frei, quelloffen, von einer Gemeinschaft getragen. Beides passt zu dem, was mich gerade umtreibt.

Denn ich stelle um. Nicht radikal, nicht über Nacht. Aber Schritt für Schritt. Neben Windows, Android und den großen Cloud-Diensten aus dem Silicon Valley schaue ich mich jetzt auch nach Alternativen um. Ubuntu auf dem Rechner. Llama als lokales Sprachmodell. Open WebUI als Interface. Deutsche Anbieter als Hoster. EU-basierter Online-Speicher.

Autark-KI? Eine Illusion

Ich will nicht autark werden. Dafür sind die großen Modelle — Claude, GPT, Gemini — einfach zu leistungsfähig. Und die Technologien des Silicon Valley zu tief in alles verwoben. Autarke KI wird wohl eine Illusion bleiben. Dafür ist die Welt im wahrsten Sinne des Wortes zu vernetzt.

Aber: Das plötzliche Abschalten von Claudes Fable-Modell hat auch mir gezeigt — man sollte Alternativen kennen. Wer nur auf ein System setzt, steht im Ernstfall ohne alles da. Das ist keine Paranoia, sondern Medienkompetenz.

Vernetzung ist keine Einbahnstraße

Und hier kommt der soziologische Twist: Globale Vernetzung und Verstrickung haben nicht nur Schattenseiten. Denn Abhängigkeit funktioniert in beide Richtungen. Auch die Tech Bros sind abhängig — von uns. Von unseren Daten, unserer Aufmerksamkeit, unserer Zahlungsbereitschaft, unseren Inhalten, mit denen sie ihre Modelle trainieren.

Die Principal-Agent-Theorie gibt hier gute Einsichten: Wer ist eigentlich der Auftraggeber (Principal) und wer der Ausführende (Agent)? Die Tech-Konzerne tun so, als wären sie die Principals — dabei sind wir es. Ohne Nutzer:innen kein Geschäftsmodell.

Zwischen Autonomie und Alternativen

Die Bewegung, die ich bei mir beobachte, verläuft irgendwo zwischen Autonomie, Alternativen und eigenen kleinen Initiativen. Es geht nicht um den großen Systemwechsel. Es geht um Grassroots.

Es beginnt immer im Kleinen. Ubuntu installieren. Ein lokales Modell ausprobieren. Mal schauen, welche europäischen Cloud-Dienste es gibt. Sich fragen: Muss das wirklich auf einem US-Server liegen?

Hermann Hesse hat geschrieben: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Und genau so fühlt es sich an. Es lohnt sich, anzusehen, was da draußen noch so auf dem Markt ist. Auch — und gerade — in Europa.

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